„Das Zusammenhangs-Los“, Auszug aus „Konfusius sagt“


Das Zusammenhangs-Los

 

Das Leben ist nicht nur bei Forrest Gump eine Lotterie. Doch selbst in willkürlichen, nicht zusammen hängenden Zufälligkeiten scheint sich oft ein Plan zu verwirklichen. Oder ist es bloß Hollywoods Wille und Gebot, dass manche Dinge sich zum Guten wenden? Sind wir Treibholz im Fluss des Lebens oder hat ein gottähnliches Wesen sich aus uns ein Schiff gezimmert und mimt den Kapitän? Welches Los wir auch ziehen, so vermuten wir hinter jeder unerklärlichen Wendung, ob positiv oder nicht, oft eine geheime Fügung. Sofort flüstert uns ein Vögelein: das kann nur Schicksal sein! Und wie aus der Pistole geschossen repetiert der Skeptiker: Nein! Das kann nicht sein!

Doch letztlich kann es einem gleichgültig bleiben, woraus man seine Motivation zieht, aus Hoffnung oder Berechnung. Denn eines bleibt gewiss. Nichts ist gewiss. Weder Schicksal noch Zufall. Doch beide scheinen zu existieren und sich dann und wann zu verabreden. Ein Stelldichein mit dem Unerwarteten und dem Verblüffenden. Wie viele bizarr paradoxe Situationen ich auch gesehen habe, so bleiben doch meine Träume die gleichen.

Der eine goldene Faden, der sich durch mein ganzes Leben zieht. Mein Glaube an das Gute, das jedem zu einem Zwischenstopp- Happy- End verhilft, der Glaube an verwirklichbare Liebe, Gerechtigkeit, Freundschaft und Solidarität. Es ist der Glaube, der in meinem Leben alles zu einem Sinn verbindet: Träume, Motivationen, Depressionen, Repressionen, Aggressionen, Agitationen, Emotionen.

Ein schweres Los. Für viele Gewinnspielteilnehmer eine Niete, gerade tauglich, um es achtlos fallen zu lassen. Wer will es schon

ernsthaft einlösen, wo doch der Gewinn selten an einen selbst geht?

Wie sagt man so schön? Es gilt an seinem Los selbst zu schmieden.

Schicksal oder nicht, das entscheiden wir letztlich immer im Nachhinein. Die Ursachen erkennen wir oft erst nachdem die Folgen sich längst eingestellt haben. So erhält alles erst einen Kontext, wenn wir ihn nur noch brauchen, um zu verstehen, was war. Das, was ist, scheint jedoch nicht selten wie aus dem Zusammenhang gerissen. Wir schreiten voran wie ein Blinder mit seinem Stock, der seine Umgebung erst mal vage abklopft, bevor er es wagt, einen weiteren Schritt zu tun.

Genau so komme ich mir vor, wie ein Blinder, ohne Zusammenhang. Trotz goldenem Faden, tappe und tippe ich nur im Dunkeln, suche Ziele, Orte, die lohnen, dort zu verweilen und bleibe letzten Endes ratlos. Wo ist der Zusammenhang? Bin ich ihn los? Hatte ich ihn je?

Ihn zu finden sei eine Aufgabe für die, die nach mir kommen, so beschließe ich und gebe mir auch weiter keine große Mühe, alle meine Gedanken und Erlebnisse in eine größere Ordnung zu zwängen.

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