Jenseits von Gut und Böse


Jenseits von Gut und Böse
– Nur eine Geschichte –

Bist du schon mal dem Tod begegnet? Hat er dann auch nach Dir gefragt? Wenn man einmal dem Tod ganz knapp von der Schippe gesprungen ist, wenn man den Augenblick überlebt hat, an dem alle Zukunft, jedes Wiedersehen mit seinen geliebten Menschen, Familie, Freunden, der Frau, die man über alles liebt, zu enden scheint, beginnt man sich Gedanken darüber zu machen, wie es wohl wäre, eines Tages nicht zu überleben.
Wie ist das, tot zu sein? Ist alles zu Ende? Körper, Geist, Seele? Oder gibt es da wirklich noch etwas? Der Himmel vielleicht? Man hört ja die tollsten Geschichten über das Paradies! Wie es da wohl zugeht? … Und so schweife ich ab, stell mir vor, ich komme im Jenseits an:

Sicherlich begegne ich jetzt gleich auch Gott, der mir wohl erst einmal das ganze Procedere hier oben erklären wird! Oh da! Die Wolke 7! Voller Hippies, war ja klar! Ein paar „Engels“, so nannten sie sich jedenfalls, führen mich zu Gottes Büro. Hmm! …Seltsam! …Sie laufen in Business-Klamotten herum! Ihre Krawattennadeln sehen ein bisschen wie geflügelte Harfen aus, denk ich noch, da schieben sie mich auch schon in ein von Wolken umhülltes Büro.
In Gottes Büro steht ein großer Schreibtisch. Auf diesem glänzt ein großes Namensschild, wie es alle großen Bosse besitzen. Dahinter erblicke ich ihn, Gott, der mich mit einem breiten Grinsen gütig anlächelt und mit hochgezogenen Augenbrauen auf sein mit goldenen Lettern besetztes Namensschild deutet. Ich folge seinem Blick und spüre, wie ich den Halt verliere. Da fangen mich gerade noch zwei „Security-Engels“ auf und hieven mich zurück in den Stuhl vor Gottes Schreibtisch.

„Nana, mein Junge! Wer wird denn gleich aus allen Wolken fallen?“
„Gott! Sir! Ähm… also Buddha mein ich…ähm…“
„Überrascht?“
„Ähm…ja! Ich dachte…Ich meine…, also ich bin Christ und Jesus…“
„Jesus? Ach der ! Jaja, armer Junge! War ganz geschockt, als er hier ankam und erfuhr, dass ich nicht sein Vater bin. Jetzt arbeitet er in der Verwaltung und kümmert sich um ankommende Christen.“
„Hmm….Okay, Gott, dann bist du also Buddha?“
„Ja, mein Junge.“
„Hey Moment mal, Gott oder Buddha oder wie auch immer! Es heißt doch, dass Buddha noch unter den Menschen weilt und der Dalai Lama seine Reinkarnation sei. Wie kannst du dann hier sein?“
„ Ach ja! Diese Dalai Lamas! Das werden auch immer mehr! Ziemliche Klugscheißer! Die meisten von ihnen sind jetzt bei Nietzsche.“
„Der Nietzsche, der glaubte, Gott sei tot und wir hätten ihn getötet?“
„Genau der! Er hat, nachdem er hier ankam, eine Selbsthilfegruppe für Philosophen gegründet. War nervlich ziemlich am Ende, der Nietzsche! Und als er mich dann sah… Naja! …Es hat jedenfalls lange gedauert, bis er wieder klar im Kopf war und jetzt betreut er seinesgleichen.“
„Ach so, aber was passiert jetzt mit mir?“
„Nun, dann schau ich mal in deine Akte! Hmm…hmm…ja…gut…hmm…Oh!“
„Was ist los, Gott?“
„Nun, naja, wir haben hier eine Maxime im Paradies und die lautet: Jedem sein innerstes und wahres Glück! Nun, bei dir ist das so ne Sache: Freunde, Familie…Alle noch auf der Erde. Du hast kaum materielle Interessen, bist sehr mitfühlend veranlagt und deine große Liebe…ist auch noch auf der Erde. Das Problem ist: Wir können dir hier zwar ein paar Annehmlichkeiten bieten, aber

dein innerstes und wahres Glück wirst du hier nicht finden! Noch nicht! Und mit denen Menschen, die du liebst und die dein wahres und innerstes Glück bedeuten und vor allem mit dieser einen Frau, die du über alles –selbst über das Jenseits hinaus- liebst, habe ich in den nächsten Jahren keinen Termin. Tut mir Leid, Junge!“
„Ja, aber Gott, also Buddha…ich meine…irgendetwas muss da doch zu machen sein?!“
„Ja schon! Ich könnte eine Wiedergeburt anberaumen. Mal sehen…hmm… ja, als Mensch wäre am besten! Aber du wärst dann ein Baby und würdest dich an nichts erinnern, auch nicht an Sie!“
„Dann lass mich Ihr Baby sein!“
„Nein, das geht leider nicht. Keine Wiedergeburten im emotionalen Umkreis des Betroffenen! Ist ziemlich riskant! Dann bekomme ich wieder Ärger mit der schöpferischen Inzestbehörde. Ihr Leiter, Ganesha, der olle Elefantenkopp, spricht da ja aus Erfahrung. War als Elefant in zwei Mädels verknallt und dann bei der Wiedergeburt…“
„Und was soll ich jetzt tun?“
„Nun, du hast ja schon von der Hölle und dem Fegefeuer gehört? Also in die Hölle schicken wie nur die irreparablen: Hitler und solche Typen! Normaler Weise versuchen wir hier jedem sein wahres Glück zu ermöglichen. Funktioniert das nicht – wie bei dir – wird man im Fegefeuer zwischengelagert bis wir das jeweilige Glück herstellen können, also bei dir, bis zu deinem Wiedersehen mit deiner großen Liebe etc. , etc.“
„Ich soll ins Fegefeuer?“
„Jap. Die Christen haben da ziemlich darauf gepocht, es so zu nennen. Fegefeuer! Pah! Man solle es so nennen, damit man die Zeit nutze, um sich über seine Fehler und sein fehlendes Glück bewusst zu werden, um so sein späteres Glück dann besser schätzen zu können. Wenn du mich fragst, habt ihr Menschen auf der Erde schon genug Stress. Also wenn du was brauchst, komm zu mir oder Jesus! Wir bringen dich auch gut unter! Halte dich aber von ehemaligen Oberchristen, also Päpsten, Bischöfen, Theologen und so fern! Die nehmen das alles viel zu wörtlich mit dem Fegefeuer. Erst letzte Woche musste ich Johannes Paul, der

zweiten Version davon, das Streichholz abnehmen. Er wollte den anzünden, der das Kondom erfunden hat. Nun gut, du weißt Bescheid! Jetzt ruh dich aus! Wenn es etwas Neues gibt, schick ich dir einen Engel vorbei.“
„Ach, Gott? Eine Frage noch! Was ist eigentlich mit den Atheisten?“
„Jaaa…Die erfahren nicht, dass es mich gibt. Wenn sie hier oben ankommen, schicken die Pförtner sie meist gar nicht erst zu mir. Wozu auch? Die meisten Atheisten, Agnostiker und wie die ganzen Spezies sich so nennen, brauchen mich auch überhaupt nicht zu kennen, um wirklich glücklich sein zu können. Warum sollte ich sie dann enttäuschen, indem ich ihr Weltbild zerfetze? Aber bei Nietzsche…da konnte ich es mir einfach nicht verkneifen!“

Gott stand auf und schüttelte mir die Hand. Dann schob er ein paar Wolken zur Seite und verließ lachend und scherzend sein Büro: „ Nietzsche, dieser Scherzkeks! Haha…kommt hier an: Gott? du hier? Hmm…Dann muss ich wohl tot sein! Aber wer hat mich getötet? Haha, Hoho! Dieser Spinner! Aber ein genialer Spinner…“
So begann mein Leben ohne Zeit, jenseits von Dauer, jenseits von Gut und Böse, im Diesseits der Ewigkeit.

 

P.S.: Aufgrund mangelhafter Recherchen und meines religiösen Halbwissens gibt es keine Garantie für eine korrekte religiöse Begrifflichkeit, einen korrekten Kontext, usw. Läuft eh alles auf dasselbe hinaus! Dies hier dient allein der sozialkritischen Belustigung und ist im besten Fall eine literarische Karikatur unsres „Gesellschaftsevangeliums“(Zitat Mittermeier). Muslime werden zum leiblichen Wohl des Autors nicht weiter erwähnt, da er fürchtet, dass religiöser Humor ausschließlich „streng“ Gläubigen gerade dieser Zunft (die mit dem -ismus am Schluss) nicht vermittelbar ist, nein, sondern mehr noch, dass gerade diese

Isten durch religiösen Humor zum suizidalen Explodieren animiert werden. Man könnte also sagen, dass der Autor hier bewusst muslimistischen Artenschutz betreibt. (Den konnte ich mir nicht verkneifen!).Mama mia, ich hatte ein schönes Leben!

P.P.S: In Kürze erscheint: El Niño, die Memoiren!

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