Tag 4


Tag 4

Mit vertrocknetem Naseninhalt und einem Geschmack im Mund, als sei mir etwas aus dem Rachen auf die Zunge gekrabbelt und dort verwest, wache ich auf, habe noch den wirren Piratentraum vor Augen und spüre den warmen, weichen Körper meiner Freundin neben mir. Immer wieder versuche ich mich an die Einzelheiten meines Traumes zu erinnern, aber neben zwischen Inselketten verschwommenen Bildern wilder Kaper- und Fluchtfahrten, im Schlafnebel aus Gedankentreibholz zusammen gezimmerten Schnellbooten, auf denen mein bester Freund aus Kindertagen einen besonders mutigen Eindruck macht, spüre ich immer wieder meine Freundin, wie sie mit ihrer Wärme ausströmenden Aura mich umfängt und alle nächtlichen Erlebnisse hinfort spült, wie all meine Energien in den unteren Teil meines Körpers fließen und zu neuen Bildern verschwimmen, in denen sie … (Pünktchen für die Jugend, mehr Punkte für Phantasie:

),

wie sie mich entert, kapert und mit ihrer ganzen Lust überfällt, wie ich falle und in und an ihr an Land gehe, strande, wie ich gerade ihren nackten Fuß den meinen streicheln spüre und realisiere, dass wir immer noch in Schlafklamotten stecken, mein Mundgeruch der eines Piraten mehr als würdig erscheint, laute Handywecker sie zum aufstehen, mich hingegen zu meiner allmorgendlichen Schriftstellerübung im Sinne ganz nach Dorothea B. – Schreibe ohne Ablenkung und ohne erste Eindrücke zu sammeln, wie aus Gesprächen, Musik, Internet, etc. nach dem Erwachen Erträumtes und Intuitives auf, umso einen direkten Kanal zu deinem Unterbewusstsein und demwahren Schriftsteller in dir zu öffnen– überreden wollen und damit jede nächtliche und aus dem Erwachen heraus erigierte Phantasie mit dem Griff zu meinem Laptop verschwindet. Nur ein Nachklang auf Tastatur ertönt, weckt gedanklich einen lustvollen Morgen, blickt schwärmerisch zur leeren Seite im Bett, als sei ein nackter Schatten noch übrig, drückt schnell auf Speichern und wandert einsam, aber phantasiebeladen, kein weiteres Bild verhütend, begierdeschwanger in meine gewölbte… Hafenausbuchtung.

Mein lieber Steg, Dorothea! Ahntest du nicht, dass auch Männer kurz nach dem Aufstehen Schriftsteller werden wollen könnten? Ich beschließe, dass mein Unterbewusstsein weder eine Einbahnstraße, noch asexuell ist und nehme mir vor, meine allmorgendliche Schriftstellerübung deutlich hinter meine ersten Eindrücke zu verschieben, damit ich nicht zu oft nach Charlotte Roche oder Ähnlichem klinge.

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