Der Mut


Der Mut

Nicht zu fassen schwimmt er nun wie Fetttropfen auf der nassen Haut des stillen Gedankensees, der unter seinem flachen Spiegel nüchtern in sich ruhenden Denkens die Quelle der Gefühle barg, der uns verschlungen hatte. Wie Atemperlen mich verlassend, um nach oben zu treiben, an die so ferne, beredsame, sonnenglänzende, so beschienene und durchdachte Oberfläche, war er seinem sprudelnden Ursprung entronnen. Während die Tiefe allen Fühlens mich immer weiter verschlang, trieb er weiter, fort von allem, was mir einst von Bedeutung war.

Die Tiefe, vom Mut nunmehr ungeliebt, sah ihn zu Unbekanntem steigen, als ob dort oben an der Luft, jenseits der Seele mehr auf ihn wartete, als seien die Wellen, die seine Blasen der Membran versetzten, nicht ihm eigen, sondern versteckten und umspielten hinter einem Horizont aus zweifelnder Gischt und aufbrausenden Tropfengebirgen jenen Sinn, der mit ihm zuvor Hand in Hand in den See hinab getaucht war, ihn losgelassen hatte, bis er ihn in der Tiefe Finsternis nicht mehr wiederfand.

Wollte der so unbedarft kindliche Mut damals doch mehr als nur Wind in meinen Segeln sein. Wäre er nur das Boot gewesen, das mich über Wasser gehalten so sicher trüge, dass es nicht im Wehen seines Bruders, im übermütigen Sturme kentern musste, bis sich alle Segel nach innen, ins Dunkel wandten. Wäre er mehr als die Morgenröte, die auf Tageslicht zu hoffen ihr Gesicht an den Himmel malte. Wäre er nur Möndinnenschein in düstren Gewässern gewesen und hätte Nebelfestungen zu durchdringen vermocht.

Ach, wie bedauerte der Mut seine Angst im Trüben und Dunkeln, er, der das freudige Spiel und die lustvolle Neugier im Tagschein so sehr liebte, dass er stets der Angst entfloh, dem Schmerz, der Trauer, all denen, die ihn so sehr brauchten und nicht wieder finden konnten.

Hätte er nur die Kraft an meine Brust sich zu werfen, wie ein gescholtenes Kind die Liebe, Vergebung und den Trost seiner Eltern suchend, so hätte ich leise sein zitterndes Schluchzen und brüchig flehendes Flüstern vernehmen können:

Es tut mir so leid! Ich wollte dich nie verlassen! Ich hatte nur Angst, Angst… dich zu verlieren.“

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